Wie begegnet man eigentlich sozialen Problemen in Deutschland? Nach dem derzeit gültigen Lösungsansatz am besten mit technischen Hürden und Verboten. Das ist ja auch viel einfacher, als die Verantwortung z.B. bei den Eltern zu sehen. Wer seinem Kind Fernseher, Computer und Handy zur Verfügung stellt, muss auch den Konsum der Inhalte regeln. Wieso der Staat jedoch mit Zensur und Verboten eingreifen muss, erschließt sich mir nicht. Bewusster Umgang mit Medien und Informationen wird dadurch nicht gelehrt.
Was kommt nun dabei raus, wenn ein IT-Experte Landtagsabgeordneter ist? Ganz einfach, sowas wie Herr Thomas Jarzombek. Der gute Mann hat sich, da sich wohl keiner für ihn interessiert hat, kurzerhand selber interviewt . Er fordert ein “Jugendschutzprogramm” für Multimediahandys und portable Konsolen. Dies soll verhindern, dass Minderjährige Videos mit sexuellem bzw. gewaltverherrlichendem Inhalt auf ihren Geräten “installieren” und untereinander austauschen. Das ganze betitelt er übrigens mit “Selbstbestimmte Handynutzung “.
Was qualifiziert eigentlich unseren Vorzeige-EDV-Experten? Schauen wir doch mal auf seiner Homepage nach. Dieses Frontpageprodukt spiegelt nicht nur seine Programmierkenntnisse wieder, sondern auch seine Kompetenz.
Jetzt kommt es aber noch besser. Unser Experte verschickt jetzt sein “Interview” als Pressemitteilung und schon wird sie veröffentlicht.
Und was lernen wir daraus? Man kann trotz einiger Schwächen immer noch ein prächtiger Landtagsabgeordneter in Nordrhein-Westfalen werden.
was genau spricht jetzt deiner meinung nach gegen ein sogenanntes jugendschutzprogramm?
Es kann nicht Aufgabe des Staates sein, Eigenschaften von Handysoftware zu bestimmen. Dass Kinder und Jugendliche technisch ihren Eltern voraus sind, ist ebenso ein Hindernis. Selbst wenn eine solche Funktion aktiv wäre, also sich die Eltern damit auskennen würden, kann es, ebenso wie ein “Simlock”, aus der Handy-Software entfernt werden. Das einzige, was passiert, ist, dass der “Eingeschränkte” sich an einschlägige Angebote im Internet wendet. Viellmehr ist es doch sinnvoller, wenn sich die Eltern mit dem Inhalt auf dem und der Nutzung des Handys auseinandersetzen. Wieso bräuchte ich dann noch ein Verbot?
ok, jetzt wissen wir, was nicht sinnvoll ist. aber welches alternative konzept kann einem solchen medialen missbrauch entgegenwirken? das heißt, worin siehst du impulse, durch die eine steigerung der medialen kompetenz der eltern angeregt werden kann? gibt es da brauchbare, umsetzbare ideen? denn dass besagter medienmissbrauch ein problem darstellt, halte ich für zweifelsfrei. der erziehungsauftrag des staates veranlasst ihn immerhin einzugreifen. wenn er aber über seine altbewährten rechtlichen mittel nicht effektiv einschreiten kann, was bleibt ihm dann übrig? die familie stellt einen geschützten raum dar, in den er nur im dringlichsten falle eingreifen darf; welche politischen maßnahmen bleiben dann noch?
ratlosigkeit macht sich breit.
Ich glaube nicht, dass ein Verbot ein bewährtes Mittel darstellt. Waren es früher Pornoheftchen, sind es jetzt Videos, die auf dem Schulhof getauscht werden.
Neben einem nicht ausgeprägten Unrechtsbewusstsein, ist es doch gerade das Austesten von Grenzen, was hier eine Rolle spielt. Gerade hier müssen Eltern und auch Lehrer ansetzen und “erziehen”. Wenn jedoch diese Parteien die Augen verschließen und sich mit nicht vorhandenen technischen Kenntnissen herausreden, entsteht eine Lücke, die auch der Staat nicht mit zusätzlichen Regelungen ausfüllen kann.
Ich verneine hier nicht das grundsätzliche Problem, doch gibt es ein ausreichendes Jugendschutzrecht. Für Minderjährige sind solche Inhalte auch jetzt schon verboten.